Von Windows auf Linux umsteigen: Schritt für Schritt

Von Windows auf Linux umsteigen dauert weniger lange, als die meisten denken – wenn du es in der richtigen Reihenfolge machst. Diese Anleitung führt dich in fünf Schritten vom Vorbereiten über den USB-Stick bis zum fertigen System. Du kannst an jeder Stelle aufhören: Erst der vierte Schritt verändert etwas an deiner Festplatte.

Noch keine Distribution ausgesucht? Der Linux-Kompass empfiehlt dir in drei Minuten eine, und im Distributionen-Vergleich stehen alle sechs mit Download-Link.

In fünf Schritten

1

Vorbereiten

Daten sichern, BitLocker-Schlüssel aufschreiben und für jedes Programm einen Ersatz finden.

2

USB-Stick erstellen

Die ISO-Datei mit einem kleinen Programm auf einen Stick ab 16 GB schreiben.

3

Linux ausprobieren

Vom Stick starten und prüfen, ob deine Hardware mitspielt – die Festplatte bleibt unberührt.

4

Installieren

Ganz umsteigen oder per Dual-Boot neben Windows. Erst hier ändert sich etwas an deiner Festplatte.

5

Nach der Installation

Updates, Grafiktreiber, Programme, Steam und eine Sicherung einrichten.

1. Vorbereiten

Daten sichern

Beim Ausprobieren passiert nichts, beim Installieren schon. Sichere vorher alles, was du behalten willst, auf eine externe Festplatte oder in die Cloud: Dokumente, Fotos, Spielstände ohne Cloud-Speicher und die Einstellungen deiner wichtigsten Programme – deine OBS-Szenen etwa exportierst du über Szenensammlung → Exportieren. Lesezeichen und Passwörter holst du dir später über dein Firefox- oder Google-Konto zurück.

Wichtig

BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel

Windows 11 verschlüsselt die Festplatte bei neuen Installationen automatisch, sobald du dich mit einem Microsoft-Konto anmeldest – auch in der Home-Edition. Änderst du später etwas an den Starteinstellungen, fragt Windows nach dem 48-stelligen Wiederherstellungsschlüssel. Ohne ihn kommst du nicht mehr an deine Daten, und laut Microsoft kann auch der Support ihn nicht wiederherstellen.

Ob die Verschlüsselung aktiv ist, siehst du unter Einstellungen → Datenschutz und Sicherheit → Geräteverschlüsselung. Den Schlüssel findest du, wenn du dich unter aka.ms/myrecoverykey mit deinem Microsoft-Konto anmeldest. Schreib ihn auf oder druck ihn aus, und heb ihn getrennt vom Rechner auf.

Deine Programme und ihr Ersatz

Schreib auf, welche Programme du wirklich nutzt, und such für jedes einen Ersatz. Vieles gibt es direkt für Linux, anderes läuft im Browser:

Unter WindowsUnter Linux
Microsoft OfficeOffice im Browser, LibreOffice oder OnlyOffice
PhotoshopGIMP oder Krita
Lightroomdarktable
Premiere ProKdenlive oder DaVinci Resolve – dessen Gratisversion kann unter Linux aber kein H.264, H.265 und AAC
OBS Studio, Discord, Steam, Spotify, Zoomgibt es direkt für Linux
Chrome, Edge, Firefoxgibt es direkt für Linux
Microsoft Teams, WhatsAppim Browser
Stream Deck, GoXLR, Voicemeeter, Streamer.botsiehe Streamen unter Linux
Spiele und Launchersiehe Gaming unter Linux

Findest du für ein Programm, das du jeden Tag brauchst, keinen Ersatz, ist Dual-Boot der richtige Weg: Windows bleibt dann für genau dieses Programm da.

2. USB-Stick erstellen

Jede Distribution gibt es als ISO-Datei – lade sie immer von der offiziellen Seite herunter. Die Datei schreibst du mit einem kleinen Programm auf einen USB-Stick. Alles, was vorher auf dem Stick war, wird dabei gelöscht.

Welcher Stick

Ein Stick mit 16 GB reicht für jede der sechs Distributionen; Bazzite verlangt genau das als Minimum, seine Datei ist knapp 8 GB groß. USB 3 lohnt sich, weil Linux vom Stick dann deutlich flotter läuft. Mit 64 GB passt später auch eine Sicherung deiner wichtigsten Dateien darauf, und viel teurer sind sie nicht. Gängige Modelle sind zum Beispiel:

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Das richtige Programm

  • Fedora Media Writer für Windows, macOS und Linux schreibt jede ISO-Datei, nicht nur Fedora, und wird auch von Bazzite empfohlen.
  • balenaEtcher braucht drei Klicks: Datei wählen, Stick wählen, schreiben.
  • Rufus gibt es für Windows. Fragt Rufus, wie die Datei geschrieben werden soll, nimm den DD-Modus – der ist bei Linux-Dateien am zuverlässigsten.

Ventoy klingt verlockend, weil es mehrere ISO-Dateien auf einen Stick packt. Mit Bazzite gibt es damit aber bekannte Probleme, und bei eingeschaltetem Secure Boot braucht Ventoy zusätzliche Schritte. Für den Anfang ist eines der drei Programme oben die bessere Wahl.

3. Linux ausprobieren

Steck den Stick ein und starte den Rechner neu. Damit er vom Stick statt von der Festplatte startet, öffnest du das Boot-Menü: Drück direkt nach dem Einschalten mehrmals die passende Taste – wartest du bis zum Windows-Logo, ist es zu spät.

HerstellerTaste fürs Boot-Menü (meist)
DellF12
LenovoF12 oder Fn + F12
HPEsc, dann F9
ASUSEsc bei Laptops, F8 bei Mainboards
AcerF12 – muss teils erst im BIOS eingeschaltet werden
MSI, ASRockF11
GigabyteF12

Klappt keine Taste, geht es auch aus Windows heraus: Halt die Umschalttaste gedrückt, klick auf Neu starten und wähl dann Ein Gerät verwenden. Im Boot-Menü nimmst du den Eintrag mit „UEFI“ und dem Namen deines Sticks.

Secure Boot

Linux Mint, Zorin OS, Ubuntu und Fedora starten mit eingeschaltetem Secure Boot, bei Bazzite registrierst du während der Installation einen Schlüssel. Für CachyOS schaltest du Secure Boot vorher im BIOS aus; nach der Installation lässt es sich mit der Anleitung aus dem CachyOS-Wiki wieder einrichten.

Was du im Live-System prüfst

Vom Stick läuft ein vollständiges Linux, ohne dass auf der Festplatte etwas passiert. Nutz die Gelegenheit und prüf, ob deine Hardware mitspielt:

  • WLAN und Bluetooth
  • Ton über Lautsprecher, Headset und Mikrofon
  • Bildschirm und Auflösung, bei mehreren Monitoren alle
  • bei Laptops Touchpad, Tastatur-Sondertasten und Webcam
  • Drucker und Scanner, falls du sie brauchst

Vom Stick läuft alles etwas langsamer als später von der SSD – beurteile die Hardware, nicht das Tempo. Klappt etwas nicht, probier eine zweite Distribution, bevor du aufgibst: Neuere wie Ubuntu 26.04 oder Fedora erkennen oft Hardware, mit der ältere noch nicht klarkommen.

4. Installieren

Ab hier verändert der Installer deine Festplatte. Er fragt Sprache, Tastatur, Zeitzone und dein Benutzerkonto ab. Bei Ubuntu, Linux Mint und Zorin OS bietet er außerdem ein Häkchen für Drittanbieter-Software oder Multimedia-Codecs an – setz es, dann laufen Videos sofort und bei Nvidia auch der Grafiktreiber. Die wichtigste Frage ist, wohin Linux soll.

Ganz umsteigen

Wähl die Option, die die ganze Festplatte verwendet – sie heißt sinngemäß „Festplatte löschen und installieren“. Windows und alle Daten darauf sind danach weg, deshalb erst, wenn deine Sicherung steht. Die Installation selbst dauert meist keine halbe Stunde.

Dual-Boot: Linux neben Windows

Mit Dual-Boot behältst du Windows und wählst beim Start, welches System hochfährt. Am saubersten ist eine zweite SSD nur für Linux – beide Systeme kommen sich dann nicht in die Quere, und Bazzite empfiehlt genau das. Vorher erledigst du in Windows drei Dinge:

  1. BitLocker-Schlüssel sichern, wie oben beschrieben.
  2. Windows-Schnellstart ausschalten: Systemsteuerung → Energieoptionen → Auswählen, was beim Drücken von Netzschaltern geschehen soll → Einige Einstellungen sind momentan nicht verfügbar, dann den Haken bei „Schnellstart aktivieren“ entfernen. Sonst hält Windows seine Festplatte im Ruhezustand fest, und Linux kann nicht sauber darauf zugreifen.
  3. Nur eine SSD? Dann Platz schaffen: In der Datenträgerverwaltung mit Rechtsklick auf die Windows-Partition Volume verkleinern wählen. Plane mindestens 50 GB für Linux ein, mit Spielen deutlich mehr. Manche Distributionen, etwa Bazzite, raten für diesen Fall außerdem, BitLocker vorher ganz auszuschalten.

Im Installer wählst du dann die zweite SSD oder den freigewordenen Platz; Ubuntu, Mint und Zorin bieten dafür oft direkt „neben Windows installieren“ an. Beim nächsten Start erscheint ein Auswahlmenü für Linux und Windows. Bei zwei SSDs kannst du auch einfach über das Boot-Menü deines Rechners wechseln.

5. Nach der Installation

  • Updates einspielen. Die Aktualisierungsverwaltung meldet sich meist von selbst; beim ersten Mal kommen einige Pakete zusammen.
  • Grafiktreiber prüfen. Mit AMD und Intel ist nichts zu tun. Wie du den Nvidia-Treiber einrichtest, steht bei jeder Distribution im Distributionen-Vergleich.
  • Programme installieren. Über die Softwareverwaltung deiner Distribution. Die meisten Programme gibt es dort als Flatpak von Flathub; bei Ubuntu kommen sie stattdessen oft als Snap aus dem App Center.
  • Steam einrichten und wie unter Gaming unter Linux beschrieben Proton für alle Spiele einschalten.
  • Sicherung einrichten. Linux Mint bringt mit Timeshift Systemschnappschüsse mit. Die schützen aber das System, nicht deine Fotos – persönliche Dateien sicherst du trotzdem extra.

Wo du Hilfe bekommst

Bei Problemen hilft fast immer eine Suche nach dem Namen deiner Distribution und der Fehlermeldung. Auf Deutsch sind das Wiki und Forum von ubuntuusers.de (passt auch für Mint und Zorin), linuxmintusers.de und Fedoraforum.de gute Anlaufstellen. Für Bazzite und CachyOS gibt es Hilfe vor allem auf Englisch; die Links stehen im Distributionen-Vergleich.

Wenn du selbst fragst, nenn Distribution und Version, deine Hardware, was du gemacht hast und die genaue Fehlermeldung. Dann bekommst du deutlich schneller eine Antwort, mit der du etwas anfangen kannst.

Doch zurück zu Windows?

Mit Dual-Boot ist das einfach: Windows ist ja noch da. Hast du Windows ganz ersetzt, installierst du es mit dem Installationsmedium von Microsoft neu. War Windows auf dem Rechner vorher aktiviert, aktiviert es sich in der Regel von selbst wieder, weil die Lizenz an deiner Hardware oder deinem Microsoft-Konto hängt. Danach spielst du deine Sicherung zurück.

Stand: September 2026

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